Für $99: Supercomputer im Raspberry-Pi-Format

Es kommt mehr und mehr Bewegung in den Markt für günstige, stromsparende Systeme, die sich für mehr als "nur" Hausautomation und Media-Center-Anwendungen eignen. So ist die kleine Chipschmiede Adapteva gerade dabei über ein Kickstarter-Projekt das notwendige Startkapital zum Bau eines kleinen 16-Kern-Einplatinencomputers zusammen zu bekommen, der über 26 GFLOPs Rechenleistung verfügt. Mit 17 Tagen verbleibender Laufzeit ist man aktuell noch rund $480.000 vom Finanzierungsziel von $750.000 entfernt.

Adapteva wurde 2008 gegründet und ist spezialisiert auf die Entwicklung von energieffizienten RISC-Chips, die sie für andere herstellen und lizenzieren. Ihr Parallella getauftes System soll ein Supercomputer für jedermann werden. Zusammen bringen die 16 Epiphany-Rechenkerne es auf 13 GHz Takt. Dabei soll das Board gerade einmal $99 kosten. Fernziel ist die Finanzierung einer Version mit 64 Kernen, die insgesamt 45 GHz und 90 Gigaflops für den Spottpreis von $199 erreicht.

Der eingesetzte Chip basiert auf einem Dual-Core ARM A9, dem 16 bzw. 64. eigens entwickelte Rechenkerne zur Beschleunigung zur Seite stehen. Diese erreichen zusammen pro Watt rund 25 GHz und 70 GFlops Rechenleistung. Wer via Kickstarter dem Projekt $99 verspricht, soll ab Mai 2013 sein 16-Kern-Parallela-Board bekommen. Für $499 würde bereits im Februar geliefert.

Geliefert wird das Board, das in etwa die Maße eines Raspberry Pi besitzt in folgender Ausstattung:

  • 8,6 cm x 5,3 cm Platine
  • Dual Core ARM A9 CPU
  • Epiphany Beschleuniger
    • Epiphany-III (E16G301)
      • 65nm Prozess
      • 324 Pin Flip-Chip BGA, 15x15mm
      • 16 Kerne
      • 1 GHz
      • 32 GFLOPS
      • 512 GB/s lokale Speicherbandbreite
      • 64 GB/s Bandbreite zwischen den Kernen
      • 8 GB/s Außenanbindung
      • 0,5 MB on-Chip verteilter shared RAM
      • max. 2W Leistungsaufnahme
      • IEEE Fließkomma-Befehlssatz
      • 4x LVDS-Schnittstelle mit bis zu 2 GB/s zur Anbindung von bis zu insgesamt 64 Chips pro Board
    • bzw. Epiphany-IV (E64G401)
      • 28nm Prozess
      • 324 Pin Flip-Chip BGA, 15x15mm
      • 64 Kerne
      • 800 MHz
      • 100 GFLOPS
      • 1638 GB/s lokale Speicherbandbreite
      • 102 GB/s Bandbreite zwischen den Kernen
      • 6,4 GB/s Außenanbindung
      • 2 MB on-Chip verteilter shared RAM
      • max. 2W Leistungsaufnahme
      • IEEE Fließkomma-Befehlssatz
      • 4x LVDS-Schnittstelle mit bis zu 1,6 GB/s zur Anbindung von bis zu insgesamt 64 Chips pro Board
  • 1 GB RAM
  • 2 x USB 2.0
  • 2 x GPIO Konnektoren
  • HDMI
  • GBit Ethernet
  • 16 GB MIcroSD-Karte mit Ubuntu 11.10
  • Open Source SDK für C, C++ und OpenCL inkl. Multicore Debugger, Eclipse IDE, OpenCL Runtime und Bibliotheken
  • Stromverbrauch in typischen Anwendungen: < 5 Watt

Die Zielgruppe sieht anfangs Enthusiasten vor, aber auch die Lehre zur Entwicklung paralleler Systeme, Algorithmen, Datenstrukturen und darauf basierender Sprachen und Anwendungen.

 

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11 Kommentare

Supercomputer

Technisch gesehen ist das ein tatsächlich interessantes Projekt. Schade finde ich nur, daß die verfügbare Software solchen Hardwarearchitekturen immer notorisch hinterherhinkt. Da nützt es leider auch nicht viel, wenn das Leistungspotential so überdurchschnittlich hoch liegt. Zwar wird man dazu das ESDK erwerben können, bleibt aber, ob man will oder nicht, auf einer einzigen Programmiersprache innerhalb des (vorläufig) einzigen Betriebssystems festgenagelt. In Anbetracht des laufenden Booms ist damit die Kurzlebigkeit solcher Boards bereits vorprogrammiert. Als möglicher Lichtblick bleibt noch der Ausbau der ESDK für weitere Sprachen, aber das wird erst ab einer entsprechend hohen Geldsumme spruchreif.

Supercomputer

An wen sich das Board richtet ist völlig klar, das ändert aber nichts an der angesprochenen Problematik. Das komplette ESDK (Epiphany SDK) wurde soweit modifiziert, daß man damit die Vorteile der angebotenen Architektur auch tatsächlich professionell nutzen kann. Die dabei eingesetzten Komponenten sind zwar Open Source, wären aber im ursprünglichen Zustand weitgehend unbrauchbar und werden daher als Kaufsoftware angeboten, daher entscheidet hier der Anbieter allein was als Weiterentwicklung der Software im Paket enthalten ist und was nicht. Die dabei angelegte Monokultur bei den Programmiersprachen, die den Entwickler auf eine einzige (C/C++) fixiert, sehe ich als Nachteil. Die Anwendungsmöglichkeiten der Hardware selbst gehen sicher weit über Multimedia hinaus.

Nach den bisherigen Einnahmen zu urteilen scheint eine Realisierung des Projekts ohnehin nicht stattzufinden, und das ist gut so! Offenbar haben auch bereits andere erkannt, daß die angebotene Software einen Eimer voller Würmer in sich birgt, da man offensichtlich nicht imstande war wenigstens den Assembler für die eigene Architektur von Grund auf neu zu schreiben.

Update: Nach nunmehr 8 Monaten ist genau das eingetroffen, was auch zu erwarten war, nämlich daß der Anbieter nach wie vor absolut nichts anzubieten hat, außer ein paar leere Versprechen mehr! Das kommt davon wenn ein Projekt größtenteils über Strohmänner finanziert wird, nur um das vorgegebene Ziel überhaupt erst zu erreichen. Gratulation!