Programmieren oder programmiert werden

So lautet der übersetzte Titel von Medienforscher Douglas Rushkoffs Buch, Program or Be Programmed*. Es ist auch ein Zitat, das uns häufiger im Zusammenhang mit dem Raspberry Pi begegnet, denn es fasst kurz und prägnant die Motivation für das Projekt zusammen. Während Technik unseren Alltag immer mehr durchdringt, wissen immer mehr Menschen immer weniger davon, wie sie eigentlicht funktioniert.

Wir können zwar eine App herunterladen, MP3s von unserem Handy in unserem Auto hören und brauchen im Urlaub keine sperrigen Karten mehr, weil das Smartphone sagt wo wir sind und wo es langgeht, aber wie diese vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbaren Geräte funktionieren und woher sie ihr Wissen und ihre scheinbare Intelligenz haben, das wissen wir nicht.

Es ist die Software, die diesen Geräten letzten Endes ihre Fähigkeiten verleiht. Und es sind Menschen die diese Software schreiben. Die Zeiten, wo nach dem Start des Computers nur ein Cursor auf dem Bildschirm blinkte und dieser darauf wartete, dass wir ihm sagen, was er tun soll, sind lange vorbei. Die Bedienung wurde immer visueller und intuitiver. Kleinkinder und auch ältere Menschen ohne Vorerfahrung können heute Tablets und Rechner bedienen.

Das hat zum Einen zur Folge, dass weniger Menschen sich mit den Grundlagen beschäftigen - weil sie es nicht mehr müssen. Zum Anderen führt es aber auch dazu, dass solche Menschen vermehrt gebraucht werden und dass sich Menschen Gedanken darüber machen wer eigentlich wen kontrolliert, wenn rasend schnell unsere persönlichen Daten und Profile durch das weltweite Netz rauschen und irgendwo bei irgendwem landen und wozu-auch-immer ausgewertet werden.

Während das Raspberry Pi Projekt von Beginn an die Ausbildung im Auge hatte, um über günstige Hardware die Möglichkeit zu schaffen jedem, gerade Kindern und Jugendlichen, die Möglichkeit zu geben sich technische Grundlagen und Programmierkenntnisse anzueignen, geht ein Trio aus Berlin den steinigen Weg das Programmieren zu erlernen, um ein Stück weit Technikverständnis und damit Kontrolle zurück zu erlangen.

Unterstützt von zwei technikaffinen Freunden lernt die Studentin Fiona Krakenbürger das Programmieren - ganz ohne den Druck und das Ziel dies einmal zu einer Profession auszubauen. Durchaus ungewöhnlich ist dabei ihre Herangehensweise, denn sie griff nicht zuerst zu einer vergleichsweise leicht zu erlenenden Programmiersprache, wie etwa Python. Stattdessen schrubbte sie Windows von ihrem Thinkpad, installierte Linux und begann Intel Assembler zu lernen. Das war Spiegel Online den Artikel "Programmiere dich zur Freiheit" wert.

Mittlerweile geht sie zu C über und bleibt, wo es nur geht, der Kommandozeile treu. Für alle, die ihre Schritte begleiten und womöglich nachvollziehen können, führt sie den sehr flüssig geschriebenen und lesenswerten Blog "Fiona lernt programmieren". Dieser dürfte auch für viele lernwillige Pi-Besitzer recht spannend sein (auch wenn wir natürlich mit Intel Assembler wenig anfangen können, aber die Grundkonzepte sind dieselben, egal ob ARM oder Intel). Einen Zahn zieht Fiona dort auch gleich jedem, nämlich die Vorstellung es sei leicht Programmieren zu lernen. Ist es nicht. Aber es ist ungemein spannend!

Während sie sich beim Aneignen der Programmierkenntnisse - wohlgemerkt als Hobby neben Vollzeitstudium und sonstigem Privatleben - mitunter schwer tut, fällt ihr das Erlernen neuer Instrumente leicht. Ihr Ringen mit selbst erstellten Lehrplänen, dem eigenen Schweinehund und Verständnisblockaden ist für mich ein Spiegelbild dessen, wie es mir mit meiner E-Gitarre ergeht. Und so scheint es, als erteile sie mir als Programmieranfängerin eine Lehrstunde im Lernen. Tataaa - Kreis geschlossen.

 

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